Großer Bahnhof für eine große Pädagogin

Barbara Wachter, Rektorin der Dr.-Kurt-Schöllhammer-Schule verabschiedet sich mit stehenden Ovationen in den Ruhestand

Von Christina Kronenberger

Simmern, 29.06.2017: Wer Barbara Wachter in ihren letzten Amtstagen erlebt hat, der kann nicht glauben, dass sie sich nach fast 40 Amtsjahren in den Ruhestand verabschieden will. Denn die Rektorin der Dr.-Kurt-Schöllhammer-Schule, die seit 2004 die Geschicke der Grundschule in Simmern lenkt, sprüht vor Lebensfreude, Tatendrang und Eloquenz. Umso emotionsgeladener fiel auch die am 29. Juni abgehaltene, offizielle Verabschiedungsfeier in der Dr.-Kurt-Schöllhammer-Schule aus, an der zahlreiche Redner aus dem Kollegium sowie langjährige Weggefährten ihre große Wertschätzung für ihre herausragenden Kompetenzen als Pädagogin, als Schulleiterin und auch als Mensch zum Ausdruck brachten.

Der Vormittag gehörte ganz allein ihren Schülern, die sich gemeinsam mit ihren Lehrern ein anspruchsvolles und gleichzeitig unterhaltsames Programm für ihre beliebte Rektorin ausgedacht hatten. Als Barbara Wachter es sich auf der Bühne in einem bequemen Sessel, Sinnbild für den bevorstehenden Ruhestand, gemütlich machte, sah man ihr die große Begeisterung über die sorgfältig einstudierten Darbietungen aller Klassen an. Musikalische Beiträge, künstlerisch anspruchsvoll angefertigte Bildcollagen, Tänze und floral überbrachte Wünsche rührten Kinder und die scheidende Rektorin sichtlich. „Sie sind die beste Schulleiterin der Welt. Wir wollen nicht, dass sie gehen und wir werden sie vermissen“, vernahm man aus Schülerkreisen.

Nicht weniger emotional aufgeladen war die am Mittag stattfindende „offizielle Verabschiedungsfeier.“ „Frau Wachter hatte Zeit für jedes Kind, ihre Tür stand sinnbildlich immer für alle offen“, so Florian Blaesy, Lehrer an der Dr.-Kurt-Schöllhammer-Schule und Örtlicher Personalrat (ÖPR). Sie sei stets im Auftrag der „Schölles“ unterwegs gewesen und habe mit viel Herzblut und Zeit immer das Beste für Schule, Schüler, aber auch für das Kollegium im Blick gehabt, betonte er weiter.

Afrika im Herzen

 Ein großes Herzensprojekt der scheidenden Schulleiterin blieb nicht unerwähnt. Die Dr. Kurt-Schöllhammer-Schule ist seit 2012 Schulpate der in Ruanda ansässigen Grundschule Bigugu. Seit 2005 beteiligt sich die „Schölles“ an der „Aktion Tagwerk“ und erwirtschaftet pro Jahr rund 1000 Euro für Projekte in Ruanda. „Sie tragen Afrika im Herzen“, bescheinigte ihr Blaesy.

Auch musikalisch ist Wachter eng mit Afrika verbunden. Weit über die Grenzen der Schule hinaus ist sie für ihre afrikanische Trommelleidenschaft bekannt. Sie schaffte es, über all die Jahre viele Kinder mit ihrem Feuereifer anzustecken. Deshalb zeigte sich Wachter auch sehr bewegt, als ihre ehemalige Trommelgruppe „Jamba“, mit der sie in den vergangenen Jahren insgesamt 45 Trommelauftritte absolviert hatte, sich ein letztes Mal die Ehre gab. Dabei waren auch ehemalige Schüler, die mittlerweile selbst mit beiden Beinen im Leben stehen. Die Zuschauer und die Rektorin selbst hielten es bei diesem Auftritt nicht mehr auf den Plätzen und so tanzte sich die Schulleiterin leichtfüßig in den verdienten Ruhestand.

Ihr ehemaliger Trommellehrer, Biro Ibhrahima Diakhaté, den sie als wichtigen und prägenden Lehrer sowie als Freund der Familie beschreibt, ließ es sich ebenfalls nicht nehmen, den Saal mit afrikanischen Rhythmen und Klängen zu begeistern. Trommelpremiere feierten einige ihrer Kollegen, die extra für die Verabschiedung unter der Leitung von „Biro” ein Trommelstück für Wachter einstudiert hatten. Und so ist es wenig verwunderlich, dass die scheidende Schulleiterin in ihrer Dankesrede ihre Arbeit mit dem Spielen einer Trommel verglich, das nur dann harmonisch klingt, wenn alle gemeinsam diszipliniert, zielorientiert und verlässlich miteinander „spielen“. „Im Glücksfall hat man ein gutes Orchester“, so Wachter. Und das hatte sie, wie man ihren lobenden Worten für ihr gesamtes Team entnehmen konnte.

Herausragende Fähigkeiten wurden schon früh erkannt

„Wenige Berufe erfordern eine derart vielseitige Kompetenz wie die des Lehrers. Zu ihnen gehören fachliches Können, starke persönliche Präsenz, Ausstrahlung und flexibles Reagieren auf sich ständig verändernde Situationen genauso wie intuitives Gespür, Verständnis für völlig unterschiedliche Schülerpersönlichkeiten, Widerstandskraft, Geschick bei atmosphärischem Gegenwind und – vor allem – Führung“, zitierte Ursula Schwickert, Referentin der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) aus dem Werk des Wissenschaftlers Joachim Bauer, „Lob der Schule“. All diese Attribute vereine die scheidende Direktorin, betonte sie. Darüber hinaus lobte Schwickert die zahlreichen Verdienste, die Wachter für die Dr.-Kurt-Schöllhammer-Schule in ihrer Amtszeit erreicht hat. Auch ihre Zeit an der Grundschule in Gödenroth von 1990 bis 2004 ließ Schwickert nicht unerwähnt. In dieser Zeit wurde sie sogar für ihr Projekt „welleG“, einem Pausenradio, das Wachter ins Leben rief, für den renommierten Grimme Online Award nominiert.

Neben der Arbeit als Rektorin arbeitete sie tatkräftig an den „Entwicklungspolitischen Leitlinien des Landes Rheinland-Pfalz“ mit. Auch im Pädagogischen Landesinstitut hinterließ sie ihre Spuren. „Sie ist immer von dem Leitgedanken ausgegangen, dass das, was eine Schulleitung tut, bei den Kindern ankommen muss“, würdigte Michael Pelzer, Stellvertretender Leiter des Zentrums für Schulleitung und Personalführung, ihre herausragenden Leistungen. Dort war sie unter anderem als Dozentin und Trainerin für Schulleiterfortbildungen tätig.

„Mein pädagogischer Höhepunkt war rückblickend die Arbeit in einer „Zwergenschule“. Ich hatte 24 Schüler aus vier Klassen und es waren einfach paradiesische Voraussetzungen zum Unterrichten“, so Wachter. Die einklassige Grundschule Almhorst in Hannover-Land war es, die Wachter neben ihrer ersten Stelle als Rektorin eine große Schlagzeile in der Bildzeitung und ein Tänzchen mit dem damaligen niedersächsischen Kultusminister Werner Remmers bescherte. Gemeinsam mit den Eltern hatte es Barbara Wachter mit großem Kampfgeist und unermüdlichen Einsatz geschafft, dass die „Zwergenschule“ mit 24 Kindern nicht geschlossen wurde. Ihre Schule schuf dadurch den Präzedenzfall für weitere schulpolitische Entscheidungen und die Erhaltung von Dorfschulen.

Eine Ära geht zu Ende

 Auch der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Simmern, Michael Boos, lernte ihre herausragenden kämpferischen Qualitäten kennen. „Frau Wachter ist eine Powerfrau, sie ist gar nicht leise, sie ist zielorientiert, fordernd, ganz schön streitbar, unnachgiebig für ihre Schule im Einsatz, sie geht keinem Streit aus dem Weg. Sie haben für die Ganztagsschule gekämpft – und Sie haben den Kampf gewonnen. Drei Anläufe dauerte es. Sie haben nie locker gelassen. Und dann die Mensa. Immer und immer wieder haben Sie betont, wie wichtig diese Einrichtung für ihre Schule ist. Im nächsten Jahr wird sie gebaut“, so Boos weiter. „Ein Leben für die Schule. Ich mag Menschen, die von einer Sache überzeugt sind und ich habe große Hochachtung vor Ihrer Leistung. Ich werde Sie vermissen“, schloss Boos seine Rede ab.

Die Einrichtung eines Kinderparlaments, in der die Kinder lernen, für ihre Überzeugungen einzustehen und ihre Meinung mit anderen auszutauschen, war ihr ein weiteres Herzensbedürfnis, ebenso wie die Leitung der Flöten- und Robotik-AG. Als einzige Lehrkraft mit einer zusätzlichen Ausbildung für Hochbegabte leitete sie jahrelang gemeinsam mit ihrem Ehemann Heino, der sie ehrenamtlich unterstützte, jeden Freitag die XXL-PC AG. Hier feilten Schüler unter anderem an den Algorithmen für Roboter und lernten programmieren. Ihrem Mann dankte sie liebevoll. „Ich kenne weit und breit niemanden, der in meinem Beruf eine solche Unterstützung erfährt. Von Herzen danke ich dir.“

Mit Humor und ihrer positiven Lebenseinstellung schloss Wachter dann den gelungenen Tag: „Wenn die Hälfte der heute gehörten Komplimente stimmen, beantrage ich rückwirkend eine Gehaltserhöhung“, scherzte sie. Und übergab mit einem lachenden und einem weinenden Auge symbolisch den Schlüssel zur „Schölles“ an ihren Nachfolger Fabian Kipp. Wachter hinterlässt ein bestens bestelltes Haus, das ihre Handschrift trägt und wird immer eng mit der Geschichte der „Schölles“ verbunden bleiben.

 Vita:

Barbara Wachter wurde 1954 in Hohenaspe (Schleswig Holstein) geboren. Sie ist verheiratet und Mutter zweier Kinder. Nach ihrem Abitur und ihrem Lehramtsstudium an den Pädagogischen Hochschulen Hannover und Berlin, wo sie die Fächer Deutsch, Biologie und Sport studierte, unterrichtete sie zunächst in der heutigen Hauptstadt. Im Jahr 1979  schloss sie ihr 2. Staatsexamen für das Amt des Lehrers mit Auszeichnung ab. 1981 erhielt sie die kommissarische Leitung der einklassigen Grundschule Almhorst in Hannover-Land. 1990 wurde sie an die Grundschule nach Gödenroth versetzt und wurde im Jahr 1997 zur Rektorin der Schule ernannt. 2003 feierte sie ihr 25 jähriges Dienstjubiläum. Von November 2004 bis Juni 2017 leitete sie als Schulleiterin die Geschicke der Dr.-Kurt-Schöllhammer-Schule in Simmern.

DSC_0716Barbara Wachter freut sich über die Collage „Super-Woman“ und genießt die Wertschätzung ihrer Schüler.

DSC_0771Barbara Wachter im sinnbildlichen Ruhesessel bei ihrer Verabschiedung.

P1130033Barbara Wachter (rechts) lauscht dem Ständchen der Schüler.

 

P1130044Grundschüler der Dr. Kurt-Schöllhammer-Schule überbringen florale Grüße sowie verbale Glückwünsche.

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Barbara Wachter erhält ihre offizielle Urkunde zur Versetzung in den Ruhestand von Ursula Schwickert,

Referentin der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD).

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